Bellyboatdriver MV - Der Belly Boat Hype kommt nach Deutschland

Schon mal vom Belly Boat aus geangelt? Hoffentlich, denn ansonsten verpasst ihr was. Zum Glück durften wir mit ein paar Experten auf diesem Gebiet sprechen: Maik und Tom von Bellyboatdriver MV.

Wer Fragen zu Belly Booten hat, der ist hier genau richtig. Ganz besonders, wenn er oder sie auf die Ostsee möchte. Da gibt es nämlich nicht nur eine Menge zu beachten, aus einem gewöhnlichen Belly Boat lässt sich auch noch einiges rausholen.

Moin und vielen Dank für Eure Zeit. Erzählt uns doch einfach mal: Wie seid ihr zum Angeln vom Belly Boat aus gekommen?

Maik: Ich habe 2015 jemanden an der Ostsee kennengelernt, der auf Meerforelle fischte. Wir haben uns ein bisschen unterhalten und er erzählte, dass er sich ein Belly Boat kaufen möchte. Ich wusste gar nicht, was das ist, also hat er mir ein bisschen was erklärt. Der Strand sei immer so voll, man komme nicht immer an die richtigen Spots und mit dem Belly Boat würde man fix rauspaddeln und an die Meerforellen rankommen, ganz entspannt.

Er hat sich dann eins geholt, das er mir gezeigt hat und ich habe mir ein gebrauchtes Belly Boat von Guideline geholt. Damit habe ich meinen ersten Probeversuch gestartet. Mittlerweile habe ich das vierte in drei Jahren. Jetzt bin ich zu 90-95% mit dem Belly unterwegs.

Tom: Ich bin 2017 dazugestoßen, nachdem ich die Facebook Gruppe von Bellyboatdriver MV gefunden hatte. Ein ehemaliger Arbeitskollege und ich haben sofort entschieden: Sowas brauchen wir auch. Als wir dann eins hatten, wurde das erste Treffen über die Gruppe vereinbart und seitdem sind wir ständig zusammen auf dem Wasser.

Und wie kam es zur Entscheidung, noch mehr Leute wortwörtlich ins Boot zu holen und gemeinsame Treffen zu veranstalten?

Tom: In Deutschland ist das einfach noch nicht so etabliert. Wir wollen den Bekanntheitsgrad vom Angeln vom Belly Boat aus voranbringen. Wir haben jetzt im Mai 3-jähriges Jubiläum und sind aktuell über 1400 Mitglieder. Da sind auch Angler aus Holland oder anderen angrenzenden Ländern mit dabei. Man sieht es in Italien, Frankreich, USA - die Begeisterung für das Angeln vom Belly Boat aus ist einfach Wahnsinn.

Ihr fahrt ja aber nicht einfach nur raus, Ihr bastelt an den Belly Booten ja auch fleißig herum. Was verändert ihr da noch?

Tom: Hier oben an der Ostsee sind wir auf jeden Fall dafür, dass es Ruder haben sollte, die man zur Not im Nachhinein anbauen kann. Dann geht es los mit Rutenhalter, Echolot, Geberstange, E-Motor, Rollen, Räder, die Achse - dann sind sie besser zu ziehen, mit jedem Anbau steigt natürlich das Gewicht. Weiter geht es mit Tisch, Becherhaltern, eigentlich gibt es keine Grenzen, was man noch anbauen kann.

Maik: Langsam werden die Belly Boote eher zu klein. Wenn es so viel Zubehör gibt wie beim normalen Bootsangeln auch, dann reicht der Platz irgendwann nicht mehr aus. Echolote werden immer größer, die nehmen teilweise schon die ganze linke bzw. rechte Seite des Belly Boats ein.

Habt ihr irgendwelche interessanten Geschichten vom Wasser?

Maik: Ich kann was Negatives erzählen. Ziemlich vom Anfang meiner Belly Boat Zeit. Da sind wir zu dritt von Nienhagen rausgefahren, bei leichtem Nebel. Plötzlich war der Nebel aber nicht mehr leicht und wir wussten nicht mehr wohin. Kein Kompass, also Google Maps, und orientieren am Wellenrauschen und los ging es. Ein Kumpel hatte seinen Sportstracker an, der die Route aufzeichnet. Wir waren vier Stunden auf der Ostsee unterwegs und nach drei Stunden davon ging der Nebel plötzlich weg und wir konnten die Steilküste wieder sehen. Erst dann wussten wir, wo wir sind: Einmal bis zum Riff verkehrt gepaddelt. Da war für mich fast Schluss, aber letztlich steigt man doch immer wieder auf.

Da schließt sich die Frage ja gleich an: Worauf müssen Anfänger besonders achten?

Tom: Die Ostsee ist noch mal was anderes als ein kleiner Teich oder See. Flüsse sind durch ihre Strömung auch noch mal was anderes. Gleiches gilt für die Boddengewässer, die im erstem Moment vielleicht unscheinbar sind, aber Strömung, Wind und Nebel machen es schnell tückisch, da gehen wir auch nicht mehr auf´s Wasser. Deshalb sind ein Kompass oder eben ein E-Motor schon vorteilhaft. Das ist zwar nicht Pflicht und jedem selbst überlassen, aber einen Kompass empfehlen wir wirklich jedem.

Maik: Rettungswesten sind auch sehr wichtig. Bis jetzt ist vielleicht noch nichts Schlimmeres passiert, aber einige sind schon mal ins Wasser gefallen.

Ihr organisiert Euch ja hauptsächlich über die Facebookgruppe. Gibt es Möglichkeiten für diejenigen, die nicht bei Facebook sind?

Maik: Schwierig. Aber wenn du jemanden kennst, der Facebook hat, kann da ja der Kontakt hergestellt werden und dann kann man Nummern austauschen, das ist auch kein Problem.

Was habt ihr in nächster Zeit so geplant? Freut ihr auch auf irgendwas Spezielles?

Tom: Ab Sommer geht es wieder richtig los. Gemeinsame Touren oder Treffen können schwierig werden, weil natürlich viele arbeiten müssen, wenn andere frei haben. Aber es wird wieder regelmäßig Treffen geben, die teilweise selbstorganisiert sind und wir gucken dann, ob jemand von uns dabei sein kann.

Maik: Für Treffen ist die Ostsee am besten, weil wir hier Parkmöglichkeiten haben. Unser Rekord liegt bei 25 Belly Booten auf einmal, da bildet sich schon ein guter Freundeskreis. Die Anreisen werden auch länger, wir hatten schon Leute aus Hannover und Magdeburg dabei. In Rostock sind es mittlerweile schon so viele Leute, ich muss gar nicht mehr alleine los. Da schreibt man abends ein paar Nachrichten und da findet sich immer jemand.

Originalartikel von FISCHANDERANGEL veröffentlicht am 11. Mai 2019

https://fischanderangel.com/